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Lohnt es sich für Anfänger:innen Eröffnungen zu pauken?

Neulich habe ich mir eine Analyse eines Spieles von GM Vincent Keymer von The Big Greek angeschaut. Im 25. Zug waren beide noch in der „Theorie“ und da kann man ja schon mal auf die Idee kommen, Eröffnungsvarianten zu „pauken“, um gut aus der Eröffnung zu kommen. Ich habe die Eingangsfrage schon mehreren sehr guten Schachspielern gestellt und alle sind unisono (und ich auch) der Meinung: Nein, es lohnt sich nicht für Anfänger:innen. Ab einem bestimmten Niveau kann es dann nützlich sein sich mit der Theorie näher zu beschäftigen.

Warum:

  • Vincent hat nicht gegen einen Amateur gespielt, sondern gegen einen anderen Großmeister. Wenn beide gut vorbereitet sind, machen sie beide immer die „besten Züge“. Das wird bei meiner Spielstärke nie vorkommen.
  • Selbst wenn man es schafft, die ersten 10 Züge „ideal“ zu spielen. Und dann? Was habe ich gewonnen, nichts. Das Chaos geht dann im 11. Zug los, statt schon im 6. Zug.
  • Die Realität sieht doch anders aus: Wenn ich mir meine Analysen bei chess.com angucke, dann gibt es vielleicht 3-4 Buchzüge, dann geht es sofort in die Theorielosigkeit. Der Gegner spielt halt nicht die Züge aus dem Eröffnungsbuch.

Selbst bei diesem Spiel, bei dem ich Caro-Kann spiele und das sehr oft schon auf dem Brett hatte, sind die Theoriezüge eher wenige. Normalerweise ist meine Genauigkeit irgendwo zwischen 70% und 75%. Hier hatte ich mal eine Sternstunde.

Viel wichtiger erscheint es mir die Grundregeln der Eröffnung zu beherzigen und dann Angriffspläne für das Mittelspiel zu haben. Gut ist es auch zu wissen, wo Figuren bei einer bestimmten Eröffnung gut stehen und wo nicht. Und genau hier habe ich mich in der ersten Zeit besonders schwer getan. Die Leichtfiguren sind entwickelt, der König ist in Sicherheit, die Türme sind verbunden. Vielleicht habe ich es schon geschafft die Türme auf halb-offene Linien zu postieren. Und dann geht es los, mit der Hilflosigkeit. Deshalb erscheint es mir wichtiger Konzepte zu lernen. Welche Angriffsideen gibt es bei einer bestimmten Eröffnung. Soll ich eher am Königsflügel oder am Damenflügel angreifen? Soll ich abtauschen oder nicht? 

Also: Verschwendet als Anfänger:innen nicht Eure Zeit mit dem Erlernen von Varianten, übt Taktik und setzt Euch mit Angriffsplänen auseinander. Nach ELO 2xxx kann man sich dann auch intensiver mit Varianten beschäftigen.

Ausnahme: Die grundsätzlichen „allgemeinen“ Varianten sollte man sich schon mal angucken. Bei Caro-Kann wären das:

  • Die klassische Variante: 1. e6 c6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4, 4 Sxe4 …
  • Die Vorstoß-Variante: 1. e4 c6 2. d4 d5 3. e5 Lf5 4. Le2 e6 5. Sf3
  • Die Abtausch-Variante: 1. e4 c6 2. d4 d5 3. exd5 cxd5 …

Hierfür sind die Einsteiger-Videos von Rafael Kloth für Caro-Kann sehr gut geeignet.

Disclaimer: Wenn Du diesen Blog liest beachte bitte immer: Ich bin mit 60 Jahren ins Schach eingestiegen und spreche hier über meine sehr eigenen Erfahrungen. Vielleicht hilft es einigen Impulse zu bekommen. Sicherlich ist mein Weg nicht immer der Beste, aber ich hoffe der eine oder andere Blogeintrag hilft Euch Licht ins Chaos zu bekommen.

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